Konzept
Updates – Kleine Schritte mit großer Wirkung
Die Vertreibung aus dem Paradies ist endgültig. Dennoch ist das Paradies, ob als Hortus Conclusus oder als Schlaraffenland, fester Bestandteil unserer Idealvorstellungen. Der Apfel der Erkenntnis und die Philosophie der Aufklärung haben uns kulturell geprägt. Wir wissen, dass wir nicht zu einem vermeintlich idealen Urzustand zurückkehren können, sondern den Blick nach vorn richten müssen. Die großen sozialen und ökologischen Probleme stehen uns deutlich vor Augen. Doch gleichzeitig erkennen wir auch, dass es nicht den einen, richtigen Weg gibt, und, dass es unmöglich ist, die Folgen heutigen Handelns für die Zukunft vollständig vorher zu sehen. Es gilt also, den Zustand von Unabwägbarkeit auszuhalten, zwischen einer Vielzahl von Möglichkeiten zu wählen und mehrere Optionen parallel zu verfolgen. In unserer komplexen, individualisierten Welt wird diese Multioptionalität zur Herausforderung – vermeintlich alles entscheiden zu können und dennoch den globalen Entwicklungen scheinbar ausgeliefert zu sein.
Updating Germany stellt Projekte vor, die versuchen, als Updates an Bestehendes anzuknüpfen und damit kleine und große Schritte in die Zukunft zu wagen. Updates kennen wir von Computerprogrammen: Bestehendes wird schrittweise weiterentwickelt, soweit sinnvoll, verbessert, Nichtfunktionales durch Neues ersetzt. Jede Version bringt zahlreiche Verbesserungen, Korrekturen und Neuerungen – und auch neue Fehler. Ein Update ist ein verzweigter Entwicklungspfad mit Sackgassen und Umwegen. Aber diese kleinen Schritte können zu großen Veränderungen führen.
Architektur und Stadtplanung müssen zum Update unserer Welt einen Beitrag leisten und tun es auch. Es wird gespart, gedämmt und optimiert. Doch damit sind die Möglichkeiten des Entwerfens und räumlichen Intervenierens noch lange nicht erschöpft. Uns interessiert das, was über den neuesten Stand der Technik hinausgeht: neue Konzepte, Denkweisen, Strategien, die – Schritt für Schritt, Update für Update – Verhaltensweisen und Lebensvorstellungen erneuern. Gemäß dem Motto der 11. Internationalen Architekturausstellung der Biennale Venedig 2008 „Out There: Architecture Beyond Building“ nutzen wir einen erweiterten Architekturbegriff, der die gesamte gelebte Umwelt mit ihren räumlichen Überlagerungen und Abhängigkeiten einbezieht.
Updating Germany möchte neue Möglichkeitsräume für eine bessere Zukunft eröffnen. Deshalb haben wir uns auf die Suche begeben und 100 Projekte gesammelt, die wir im Katalog zum deutschen Beitrag vorstellen. Die von uns ausgewählten Projekte zeigen eine Suchbewegung, auf die wir uns gemeinsam begeben müssen. Vielleicht wird man über einige der vorgestellten Projekte und Ideen in ein paar Jahren lachen, so wie wir heute über manche Technikvision der Moderne schmunzeln. Aber wahrscheinlich werden einige von ihnen rückblickend als Wegbereiter für ein neues Denken, vielleicht sogar eine neue Epoche, anerkannt. Unser Beitrag kann keinen eindeutig richtigen Weg in die Zukunft weisen, sondern stellt Fragen – an Architekten, Städtebauer, Designer, an alle Besucher der Ausstellung.
Die Ausstellung im deutschen Pavillon
Wir leben in einem Ungleichgewicht – von Industriestaaten und so genannten Entwicklungsländern, von technischer Höchstleistung und schierer Notwendigkeit, von der Vorstellung vom Paradies und dem Hinnehmen katastrophaler Zustände. Die Ausstellungsgestaltung des deutschen Beitrags greift die globalen Herausforderungen auf: Den Mittelpunkt der Ausstellung bildet ein Mobile als Symbol für die stetige Suche nach Gleichgewicht und die Komplexität der Systeme, in denen wir uns heute befinden. Verändert man einen Parameter, gerät das ganze System in Bewegung – eine Eigenschaft, die zur Vorsicht mahnt, aber auch Hoffnung macht. In diesem Mobile werden 20 Projekte aus Forschung, Design, Wissenschaft und Kunst gezeigt – kluge, überraschende und manchmal ganz einfache Ideen. Doch genauso wie die Welt ist auch das Mobile aus der Balance geraten. Die vorgestellten Updates alleine können die globale Schieflage nicht wieder ins Gleichgewicht bringen. Sind die präsentierten Ideen zu leicht oder zu schwer? Welche weiteren Updates brauchen wir für eine Balance?

